SVL-Wappen

Fussball-Logo

Schiri-Logo

Tischtennis-Logo

Turnen-Logo

Wandern-Logo

Badminton-Logo

Besucher

SVL-Sportplatz Turnerriege 1930 Sportheim Nordansicht

SPARTE FUSSBALL im SV Linsburg
Die Schiedsrichterorganisation


Ein Schiedsrichter im Einsatz

Ein Arbeitstag für das Referee-Trio um Thorsten Kinhöfer
„Der schönste Nebenjob der Welt“
 
Frühstück ist wichtig. Grundsätzlich, aber gerade für Sportler. Das weiß man nicht erst seit den unterhaltsamen Nutella-Werbespots, in denen sich Nationalspieler wie Arne Friedrich, Marcell Jansen und Tim Borowski von ihrer komödiantischen Seite zeigen. Der freie Journalist Andreas Kötter war beim Bundesliga-Spiel zwischen Eintracht Frankfurt und Werder Bremen am 9. Dezember 2006 im Umfeld der Schiedsrichter vor Ort und beschreibt einen Samstag im Leben von Thorsten Kinhöfer und seinen Kollegen.

Bild 1
Umsichtiger Spielleiter: Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer
© Foto: Bongarts/GettyImages

Der Arbeitstag fängt für Thorsten Kinhöfer sowie seine Assistenten Christoph Bornhorst und Markus Scheibel am Frühstücksbuffet des Hotels Frankfurter Hof an. Am Nachmittag wartet mit der Partie der Frankfurter Eintracht gegen das gerade in der Champions League am FC Barcelona gescheiterte Werder Bremen eine reizvolle Aufgabe auf das Schiedsrichter-Trio. Eine, die zudem großen Unterhaltungswert haben wird, aber das können die drei zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht wissen.
 
Bereits am Abend vorher sind die Unparteiischen angereist. „Das ist Usus“, erzählt Kinhöfer, während er sich zunächst ein Glas frisch gepressten Orangensaft gönnt. „Wir essen dann meist zusammen und stimmen uns schon einmal auf die jeweilige Partie ein.“ Man merkt ihm an, daß er seinen Nebenjob liebt. „Als Schiedsrichter muss man sich jede Woche großen Anforderungen stellen und das prägt die eigene Persönlichkeit“, sagt Kinhöfer, der in Herne hauptberuflich als Controller arbeitet und seit Beginn des Jahres auch FIFA-Schiedsrichter ist.
 
Bornhorst, der es sich bei Würstchen, Speck und Rührei gut gehen lässt, sieht das ähnlich. Der Sachbearbeiter in einer Arbeitsgemeinschaft für Hartz IV, der sich noch erinnert, „wie ich bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad zu den Spielen gefahren bin, um mit dem Pfeifen mein Taschengeld ein wenig aufzubessern“, glaubt, daß ihm die Erfahrungen beim Fußball auch im täglichen Arbeitsleben helfen. „Es geht hier wie dort um Menschen und darum, daß sie nicht immer mit unseren Entscheidungen einverstanden sind. Man wird dabei selbstbewusster und lernt, sich manchmal gegen Widerstände durchzusetzen.“

Bild 2
Auch wenn die Spieler protestieren, reagiert Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer ruhig.
© Foto: Bongarts/GettyImages

Wie Thorsten Kinhöfer und seine Kollegen ihr Frühstück genießen und dabei über ihren liebsten Nebenjob plaudern, wirken sie völlig relaxed. Ist da keine Anspannung, keine Nervosität? „Doch! Wenn man vor ausverkauftem Haus ein Spiel Frankfurt gegen Bremen leiten darf, dann ist auch die Anspannung da“, sagt Kinhöfer. „Man fällt kurz vorher wie in einen Tunnel, und fokussiert sich nur noch aufs Spiel“, pflichtet ihm Scheibel bei. Und nicht zuletzt die WM hat die Arbeit zusätzlich aufregender gemacht.
„Wir haben in Deutschland durch die Weltmeisterschaft fast nur noch Arenen ohne Laufbahn, das schafft eine unvergleichliche Atmosphäre“, weiß Kinhöfer. „Deshalb sind die Stadien hier auch immer voll, während man beispielsweise in der italienischen Serie A über Zuschauerschwund klagt.“ Schön und gut, aber jede Entscheidung, die ein Schiedsrichter trifft, kann eine sein, die ihm „den schönsten Nebenjob der Welt“ verderben kann. Dann nämlich, wenn diese Entscheidung von der TV-Kamera als Fehlentscheidung erkannt wird.
 
„Grundsätzlich ist es die große Kunst, eine getroffene Entscheidung sofort abzuhaken und sie nicht noch in der nächsten, vielleicht wiederum schwierigen Situation mit sich herum zuschleppen“, sagt Kinhöfer, gesteht jedoch auch, „daß einen Fehlentscheidungen länger verfolgen. Damit müssen wir leben.“ Stimmt, denn dafür sorgen schon die Medien. „Und überall wird man als der Doofmann des Spieltages dargestellt. Das ist natürlich alles andere als angenehm“, so der Mann aus Herne, der das klare Wort bevorzugt.

Bild 3
Klare Vorgaben: Manchmal muss der Schiedsrichter auch deutlich die Richtung vorgeben.
© Foto: Bongarts/GettyImages

Aber wie heißt es so schön im Volksmund: „Aus Fehlern wird man klug.“ Für Kinhöfer folgt daraus: „Darum sehe ich mir meine Spiele allesamt noch einmal auf Video an und betreibe Ursachenforschung, warum ein Fehler passiert ist.“ Und süffisant fügt er hinzu: „Das Wichtigste ist, daß nach dem Spiel keiner vor der Kabine steht und ein Interview haben will. Denn dann haben wir etwas falsch gemacht.“ Ein Wunsch, der ihm an diesem Tag leider nicht erfüllt werden wird. Aber auch das kann das Schiedsrichter-Trio zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht ahnen.
 
Doch genug geplaudert! Es ist jetzt 10.30 Uhr, gegen halb zwei werden die drei und der bis dahin im Hotel eingetroffene vierte Mann, Holger Henschel, zum Stadion aufbrechen. Die verbleibende Zeit will Kinhöfer nutzen „um den Frankfurter Einzelhandel anzukurbeln“, wie er lachend sagt. Es zieht ihn zum Shoppen auf „die Zeil“, die bekannte Frankfurter Einkaufsstraße. Und Bornhorst, der aus dem ländlichen Damme bei Osnabrück stammt, will dort die Chance nutzen, „um noch nach einigen CDs zu schauen“.
 
Punkt halb zwei trifft man sich dann wieder in der Hotel-Lobby, nun im piekfeinen, dunkelblauen Dienstanzug des DFB. Der gastgebende Verein, die Eintracht, stellt einen Fahr-Service, mit Polizei-Eskorte geht es jetzt durch den vorweihnachtlichen Frankfurter Innenstadt-Verkehr Richtung „Commerzbank-Arena“.
   

Bild 4
Shakehands nach der Begegnung zwischen Schiedsrichter und Spieler.
© Foto: Bongarts/GettyImages

Dort, in der Schiedsrichter-Kabine, wartet schon Günter Linn, der Schiedsrichter-Beauftragte des DFB, auf das Quartett. Man kennt sich, die Begrüßung fällt herzlich aus, selbst wenn Linn später die Leistung der Unparteiischen bewerten und vielleicht kritisieren muss. Es ist 14 Uhr, die erste Amtshandlung führt die Referees auf den Rasen der Arena, die sich allmählich füllt. Man will nicht nur schon einmal die typische Bundesliga-Atmosphäre spüren, sondern die Tornetze überprüfen und sich vor allem auch ein Bild vom Zustand des Rasens machen. „Davon hängt ab, welches Schuhwerk wir wählen“, so Bornhorst. „Alles okay“, gibt Kinhöfer zu verstehen und scherzt noch ein wenig mit dem Schiedsrichter-Betreuer der Eintracht, Rainer Falkenhain, bevor es zurück in die Kabine geht.
 
Jetzt, in der Stunde vor Spielbeginn, will man unter sich sein, will sich auf die Partie einstimmen und konzentrieren. Und das ist auch nötig, denn es wird viel zu pfeifen geben für Kinhöfer und seine Assistenten. Alleine acht Tore werden fallen, Werder wird sich geradezu in einen Rausch spielen und die Eintracht im eigenen Stadion mit 6:2 besiegen.

Dieser Artikel stammt von www.schiedsrichter-welt.de und wurde für den SVL modifiziert.


Weitere Schiri - Seiten


Ältere Seiten der SVL Schiriorganisation befinden sich im Schiedsrichter-Archiv.

Artikel zum Thema Schiedsrichter auf sv-linsburg.de: